Forschungstitel:
Phlorotannin-reiche Extrakte aus kultivierten Makroalgen zur Haltbarkeitsverlängerung von Lebensmitteln und Verwertung der Extraktionsreste als Futtermittel für Aquakulturen
Arbeitsgruppe: Erhalt der Lebensmittelqualität
Forschungsstelle und wissenschaftliche Betreuung:
IGF-Vorhaben: 01IF00432C
Finanzierung: BMWE
Laufzeit: 2025 – 2027
Mikrobielle und oxidative Verderbsprozesse zählen zu den Hauptursachen für Qualitätsverluste und die begrenzte Haltbarkeit von Lebensmitteln, insbesondere bei empfindlichen Produkten wie Fleisch und Fisch. Zur Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit und Verlängerung der Haltbarkeitsdauer werden häufig synthetische Konservierungsstoffe eingesetzt. Diese stoßen jedoch zunehmend auf Ablehnung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, die natürliche und nachhaltig produzierte Alternativen bevorzugen. Entsprechend wächst der Bedarf an innovativen, natürlichen Wirkstoffen zur Haltbarkeitsverlängerung.
Im CORNET-Projekts PEARL wird das Potenzial phlorotanninreicher Extrakte aus kultivierten Braunalgen als natürliche antimikrobielle und antioxidative Wirkstoffe untersucht. Die technische Umsetzung basiert auf der kontrollierten Kultivierung ausgewählter Makroalgenarten aus türkischen Küstengewässern in Photobioreaktoren, um standardisierte und schadstofffreie Biomasse zu erzeugen. Anschließend werden umweltschonende Extraktionsverfahren – wie enzymgestützte Ultraschall- und superkritische CO₂-Extraktion – eingesetzt, um phlorotanninreiche phenolische Verbindungen zu gewinnen. Zunächst werden die antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften der Extrakte charakterisiert. Danach erfolgt die Bewertung ihrer konservierenden Wirkung in praxisnahen Lagerstudien mit ausgewählten Lebensmitteln, um die Wirksamkeit und Praxistauglichkeit der natürlichen Konservierungsstoffe zu prüfen.
Ein weiterer innovativer Aspekt des Projekts ist die vollständige Verwertung der Algenbiomasse. Die bei der Extraktion verbleibenden Rückstände werden auf ihre Eignung als Futtermittelzusatz in der Aquakultur untersucht. Ziel ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Nutzungskonzepts, das sowohl die Lebensmittel- als auch die Futtermittelindustrie adressiert und zur Ressourcenschonung beiträgt.
Das Projekt wird von einem internationalen Konsortium unter der Leitung der Industrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung e.V. (IVLV) koordiniert. Beteiligt sind Forschungseinrichtungen aus Deutschland und der Türkei, darunter das Fraunhofer IVV, die Aksaray Universität und die Ege Universität. Durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft soll die Grundlage für die industrielle Nutzung von Algenextrakten als funktionelle Inhaltsstoffe geschaffen werden.

Das hier vorgestellte IGF-Vorhaben wird im Rahmen des Programms „Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF)“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.